Mohamed Nabil – Ein Journalist und Filmproduzent mit Faible für außergewöhnliche Lebensläufe

Der marokkanischstämmige Berliner Journalist und Filmproduzent Mohamed Nabil ist ein Weltbürger, der sich in verschiedenen Ländern und Kulturen, insbesondere der marokkanischen und der deutschen Kultur, zu Hause fühlt. Er schätzt die jeweiligen spezifischen Eigenheiten, erkennt zugleich aber eine erschreckende Gemeinsamkeit. Alle Kulturen haben eine festgelegte und selten reflektierte Vorstellung von Norm und Anstand, so dass derjenige, der von diesem Normbegriff abweicht, leicht in den Geruch des „Unanständigen“ gerät und mit gesellschaftlichen Widerständen zu kämpfen hat.
Sein journalistisches Interesse galt und gilt daher insbesondere jenen „Anderen in der eigenen“ Gesellschaft, für die er Verständnis und eine gewisse Sympathie zeigt, deren Wandlungs- und Durchsetzungsvermögen trotz kollektiver Anfeindungen er als bewundernswert herausstellt. Seine eigens produzierten Dokumentarfilme rücken deshalb jene tatsächlichen oder vermeintlichen „Normabweichungen“ in den Blickpunkt.
In seiner ersten Produktion, dem 2009 erschienen Film „Frauenträume“, präsentiert er zum Islam konvertierte deutsche Frauen, die in ihrem säkular oder christlich geprägten familiären Umfeld, aber auch im bisherigen Freundes- und Bekanntenkreis viel Unverständnis auszuräumen haben – besonders, wenn sie plötzlich mit Kopftuch erscheinen.
In seiner zweiten, 2012 entstandenen, unter dem englischen Titel „Jewels of grief“ (deutsch: Juwelen der Trauer) erschienen Produktion porträtiert Nabil Frauen in seinem Herkunftsland Marokko, die sich aufgrund einer außerhalb der Ehe entstandenen Schwangerschaft als vom „Islam abgefallene Sünderinnen“ abgestempelt fühlen. Obwohl die Ehe im Islam – anders als in der katholischen Kirche – nicht als Sakrament verstanden wird, gelten außerehelicher Geschlechtsverkehr und erst recht außerehelich entstandene Geburten in der traditionsbewussten, islamisch geprägten marokkanischen Gesellschaft bis in die Gegenwart als derartig schwerwiegender Sittenverstoß, dass die davon betroffenen Frauen, anschließend zumeist allein erziehende Mütter, und ihre Kinder stets das Stigma der „Frevelhaftigkeit“ mit sich herumtragen müssen und vielfach kaum Unterstützung in ihrem Leben erfahren.
Aktuell arbeitet Nabil an einem Dokumentarfilm über Frauen in marokkanischen Gefängnissen. In Anlehnung an Michel Fouceault beurteilt der deutschmarokkanische Medienproduzent die Fortschrittlichkeit einer Gesellschaft offenbar nicht nur nach ihren technischen Errungenschaften, sondern auch danach, wie sie mit denjenigen Mitgliedern umzugehen versteht, die sich an ihren Rändern befinden.
Sein eigener Lebenslauf hat den freischaffenden Berliner Journalisten geradezu prädestiniert, Vergleiche zwischen unterschiedlichen Staaten, Gesellschaften und Kulturen herzustellen, wobei in seinem Bewusstsein hinsichtlich Humanität offensichtlich weder die westliche noch die arabisch-islamische Zivilisation gegenwärtig die erstrebenswerte und den eigenen Moralansprüchen entsprechende Fortschrittlichkeit erreicht hat. Sein Aufwachsen in einem frankophon geprägten Land, sein abgeschlossenes Philosophie- und Sozialwissenschaftsstudium in Fes, sowie seine Berufserfahrung als marokkanischer Gymnasiallehrer schufen die Voraussetzungen, seine universitäre Ausbildung und journalistische Karriere im französischsprachigen Teil Kanadas fortzusetzen. Zunächst studierte er ein halbes Jahr an der Universität Montreal Filmwissenschaft und anschließend an der Universität Laval in Quebec neben Politikwissenschaft nun auch explizit Journalismus.
Über Kenntnisse im Englischen, der heutigen Lingua Franca der Geisteswissenschaft, verfügt Nabil ebenso, womit er bei den arabischsprachigen Ausgaben bekannter Medien der anglophonen Welt wie der britischen BBC und der australischen Tageszeitung Al Furat die Gelegenheit zugesprochen bekam, journalistisch tätig zu sein. In besonderem Maße geprägt hat ihn zudem seine Zeit als Rundfunk- und Fernsehjournalist bei Russia Today in Moskau. Sein Deutschsprachkurs in Kanada und sein einjähriger Dienst als Kanadakorrespondent der Deutschen Welle schufen schließlich die sprachliche Voraussetzung, um auch in der deutschen Hauptstadt und zugleich europäischen Filmmetrople Berlin Fuß zu fassen und sich dort als Produzent eigener Filme Anerkennung zu verschaffen.
Seinem arabischen Sprach- und Kulturraum blieb er trotz seiner Erfahrungen in den verschiedensten Teilen des christlich westlich geprägten Kulturkreises ebenfalls stets verbunden. Er arbeitete nicht nur für arabischsprachige westliche Medien, sondern stellte auch Medien arabischer Staaten wie der omanischen Wissenschaftszeitschrift Albahith seinen Dienst zur Verfügung. Vielmehr liefern ihm die Arabische Welt und besonders sein Geburtsland Marokko auch stets die Themen für seine journalistische und dokumentarische Arbeit. Dabei verliert der Grenzgänger zwischen den Kultur- und Sprachräumen die anderen Grenzgänger, ebenso wie tatsächliche oder vermeintliche ungerade Lebenswege und ihre gesellschaftliche Wahrnehmung niemals aus den Augen. Er belegt damit eindrucksvoll, wie Journalismus eines „von Außen kommenden“ der Gesellschaft für ihre verdrängten Realitäten – in Marokko wie in Deutschland – die Augen öffnen kann, ohne selbst als Moralpredigt zu erscheinen.
Mohammed Khallouk

Dieser Artikel wurde zuerst am 24.08.2013 bei http://www.kultura-extra.de/film/feuilleton/portrait_mohamednabil.php veröffentlicht.

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Über mohammedkhallouk

Herzlich Willkommen auf dem Blog von Mohammed Khallouk. Auf den folgenden Seiten erhalten Sie einen Überblick über meine publizistischen und akademischen Aktivitäten: Ich bin Politologe, Arabist und Islamwissenschaftler. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit dem Verhältnis von Religion und Politik sowie zwischen Westen und Islamischer Welt. Ich habilitiere über die jüdische Minderheit in Marokko an der Universität der Bundeswehr München. Außerdem bin ich Beauftragter für wissenschaftliche Expertise des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD). wissenschaftliches Profil: • 1993-1997 Studium der Arabistik und Islamwissenschaft an der Mohammed V. – Universität Rabat/Marokko • 1999-2003 Studium der Politikwissenschaft mit den Nebenfächern Französisch und Allgemeine Sprachwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg • 2004-2007 Promotion in Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg • Seit 2009 Habilitation im Bereich Internationale Beziehungen an der Universität der Bundeswehr München • 2008-2011 Lehrbeauftragter im Bereich Politische Theorien und Ideengeschichte an der Philipps-Universität Marburg • 2010-2011 Lehrbeauftragter im Bereich Staat, Religion und Geschichte an der Universität der Bundeswehr München Forschungsschwerpunkte: • Das Verhältnis von Islam und Moderne • Kulturdialog zwischen Westen und Islamischer Welt • Lösungsstrategien zu Konflikten der MENA-Region • Das arabische Judentum in Historie und Gegenwart • Integration der muslimischen Minorität in Deutschland • Der deutsche Mediendiskurs über Islam ausgewählte Beiträge und Publikationen: • Der Nahe Osten am Scheideweg – Haben Israelis und Palästinenser noch eine Chance zu friedlichem Zusammenleben; LIT-Verlag, Münster 2003 • Islamischer Fundamentalismus vor den Toren Europas – Marokko zwischen Rückfall ins Mittelalter und westlicher Modernität, VS Verlag, Wiesbaden 2008 • Die Orientierung am Wort Gottes als Fundament unendlicher menschlicher Kreativität, lamed, Zeitschrift Stiftung Zürcher Lehrhaus, 5 6, Februar 2010 • Franz Rosenzweigs jüdischer Existentialismus als Vorbild für den interreligiösen Dialog, Information Philosophie 2/2010, Mai 2010 • 1001 Fremder im Paradies, Mediterranes 2/2010 • Die deutsche Orientalistik der Gegenwart – Vermittler gesellschaftlicher Erkenntnis oder Instrument wissenschaftlicher Bestätigung islamfeindlicher Ressentiments? Ein Dialog mit Udo Steinbach, Aufklärung & Kritik, Heft 39, Juli 2011 Informationen über meine Lehrveranstaltungen finden Sie auf der Website der Philipps-Universität Marburg http://www.uni-marburg.de/studium und auf der Website der Universität der Bundeswehr München http://www.unibw.de/startseite/ Kontakt: mohammed.khallouk@yahoo.de Die Links in diesem Blog geben nicht die Meinung des Betreibers wieder. Sie werden zu wissenschaftlichen und Informationszwecken publiziert.
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