Mannheimer Diskussionsabend zeigt Perspektiven für eine multikulturelle Altenpflege auf

Bedingt durch die Tatsache, dass die in den 1960er Jahren zum Broterwerb nach Deutschland gekommene Einwanderergeneration mittlerweile das hohe Alter erreicht hat und auch ihren Lebensabend in Deutschland zu verbringen gedenkt, wird die Altenpflege zunehmend mit deren kulturellreligiösen Ansprüchen konfrontiert. Eine vom Projektleiter des Goethe-Instituts, Sebastian Johna, organisierte, am 18. Dezember in Mannheim abgehaltene Diskussionsveranstaltung widmete sich deshalb der Frage, wie Pflegeeinrichtungen sich dieser Herausforderung stellen und verstärkt interkulturell ausrichten können.
Zu der Informationsveranstaltung, die vom Goethe- Institut gemeinsam mit der Robert-Bosch-Stiftung finanziell gefördert wurde, war mit Cheikh Mubarak Kounta auch ein Imam als vortragender Gast eingeladen, um die Teilnehmer dafür zu sensibilisieren, dass die interkulturelle Ausrichtung vor allem Sensibilität gegenüber den religiösen Anforderungen der Muslime verlange, da sie einen wesentlichen Teil der Senioren mit Migrationshintergrund in Deutschland ausmachen. Cheikh Mubarak ist Imam der Tarik ben Ziad Moschee Frankfurt, Leiter des Deutschen Instituts für Islamwissenschaften Rüsselsheim und sitzt im Gelehrtenrat des regionalen muslimischen Dachverbandes Deutsch Islamischer Vereinsverband Rhein-Main e.V. (DIV), dessen ehemaliger Vorsitzender Abdessamad El Yazidi ebenfalls an der Veranstaltung teilnahm.
Weitere geladene und die Diskussion anregende Gäste waren u.a. Hülya Eksi-Yilmaz von der Türkischen Gemeinde Baden-Württemberg, die ihr Projekt „Kultursensible Altenpflege“ vorstellte und zur Nachahmung empfahl, Köksal Ördek vom Ambulanten Pflegedienst Kurpfalz in Mannheim, aber auch ein Vertreter der MKS Medical GmbH in Ludwigshafen, der bereits eine multikulturelle Pflegestation leitet und auf seinen Erfahrungen beruhend ein eigenes Heim aufzubauen beabsichtigt. Die Moderation übernahm der Integrationsbeauftragte der Stadt Mannheim Claus Preißler.
Cheikh Mubarak hob besonders den religiösen Aspekt des Alterns für die Muslime hervor. Eine kultursensible Altenpflege, bei der sich muslimische Senioren ernst genommen und angemessen betreut fühlten, erfordere vom Pflegepersonal neben Kenntnissen zu den Anforderungen des Islam in Bezug auf den Körperkontakt und den Verzehr von Speisen vor allem Sensibilität gegenüber den spezifischen Ansprüchen von muslimischen Sterbenden.
Indem sich Imame an konzeptionell ausgerichteten Diskussionsveranstaltungen dieser Art beteiligen, demonstrieren sie nicht nur, dass der Islam selbst zu einem Teil der deutschen Kultur geworden ist, sondern tragen unmittelbar zur künftigen Gestaltung deutscher Sozialeinrichtungen bei. Alten- und Pflegeheime in diesem Land werden sich daran gewöhnen müssen, dass neben den allwöchentlichen Besuchen evangelischer Pastoren und katholischer Priester die regelmäßige Anwesenheit eines Imams auf ihren Stationen zum Alltag gehört.
Die Ausführungen Cheikh Mubaraks lassen erkennen, dass dieser religiöse Dienst von den Institutionen eine angemessene Gegenleistung verlangt. Wenn das deutsche Altenpflegesystem diese Gegenleistung zu erbringen in der Lage ist, wird die religiöskulturelle Vielfalt unseres Landes auch bei den davon profitierenden Senioren zur intellektuellen Bereicherung beitragen.

Mohammed Khallouk

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Über mohammedkhallouk

Herzlich Willkommen auf dem Blog von Mohammed Khallouk. Auf den folgenden Seiten erhalten Sie einen Überblick über meine publizistischen und akademischen Aktivitäten: Ich bin Politologe, Arabist und Islamwissenschaftler. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit dem Verhältnis von Religion und Politik sowie zwischen Westen und Islamischer Welt. Ich habilitiere über die jüdische Minderheit in Marokko an der Universität der Bundeswehr München. Außerdem bin ich Beauftragter für wissenschaftliche Expertise des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD). wissenschaftliches Profil: • 1993-1997 Studium der Arabistik und Islamwissenschaft an der Mohammed V. – Universität Rabat/Marokko • 1999-2003 Studium der Politikwissenschaft mit den Nebenfächern Französisch und Allgemeine Sprachwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg • 2004-2007 Promotion in Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg • Seit 2009 Habilitation im Bereich Internationale Beziehungen an der Universität der Bundeswehr München • 2008-2011 Lehrbeauftragter im Bereich Politische Theorien und Ideengeschichte an der Philipps-Universität Marburg • 2010-2011 Lehrbeauftragter im Bereich Staat, Religion und Geschichte an der Universität der Bundeswehr München Forschungsschwerpunkte: • Das Verhältnis von Islam und Moderne • Kulturdialog zwischen Westen und Islamischer Welt • Lösungsstrategien zu Konflikten der MENA-Region • Das arabische Judentum in Historie und Gegenwart • Integration der muslimischen Minorität in Deutschland • Der deutsche Mediendiskurs über Islam ausgewählte Beiträge und Publikationen: • Der Nahe Osten am Scheideweg – Haben Israelis und Palästinenser noch eine Chance zu friedlichem Zusammenleben; LIT-Verlag, Münster 2003 • Islamischer Fundamentalismus vor den Toren Europas – Marokko zwischen Rückfall ins Mittelalter und westlicher Modernität, VS Verlag, Wiesbaden 2008 • Die Orientierung am Wort Gottes als Fundament unendlicher menschlicher Kreativität, lamed, Zeitschrift Stiftung Zürcher Lehrhaus, 5 6, Februar 2010 • Franz Rosenzweigs jüdischer Existentialismus als Vorbild für den interreligiösen Dialog, Information Philosophie 2/2010, Mai 2010 • 1001 Fremder im Paradies, Mediterranes 2/2010 • Die deutsche Orientalistik der Gegenwart – Vermittler gesellschaftlicher Erkenntnis oder Instrument wissenschaftlicher Bestätigung islamfeindlicher Ressentiments? Ein Dialog mit Udo Steinbach, Aufklärung & Kritik, Heft 39, Juli 2011 Informationen über meine Lehrveranstaltungen finden Sie auf der Website der Philipps-Universität Marburg http://www.uni-marburg.de/studium und auf der Website der Universität der Bundeswehr München http://www.unibw.de/startseite/ Kontakt: mohammed.khallouk@yahoo.de Die Links in diesem Blog geben nicht die Meinung des Betreibers wieder. Sie werden zu wissenschaftlichen und Informationszwecken publiziert.
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