Die Europäische Integration basiert auch nach der Wahl 2014 auf Solidarität und Mitmenschlichkeit

Am 25. Mai 2014 hat Europa sein Parlament neu gewählt. Auf den ersten Blick war es ein Votum gegen die Europäische Integration. Weniger als die Hälfte der Stimmberechtigten der Europäischen Union hat am Urnengang teilgenommen und in etlichen Mitgliedsstaaten haben euroskeptische Parteien zugelegt, deren Wortführer nicht nur die Furcht vor der Abkehr vom klassischen Nationalstaat in Popularität für sich lenken, sondern auch das Gespenst einer Aufgabe des für sakrosankt gehaltenen „christlichen Abendlandes“ an die Wand malen.
Die irrationale Angst vor fortschreitender Immigration, sowohl aus anderen Teilen des Kontinents als auch von außerhalb, mehr noch die zunehmende Sichtbarkeit islamischer Symbolik in der Öffentlichkeit dienen Populisten dazu, verunsicherte Gesellschaftsteile gegen den Integrationsgedanken aufzuhetzen. Dabei gerät leicht aus dem Bewusstsein, dass gerade diese Europäische Union, bestehend aus dem Miteinander verschiedener Kulturen und Religionen, eine Erfolgsgeschichte ist, die den Menschen vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer mehr als ein zweidrittel Jahrhundert lang Frieden beschert hat und eine wirtschaftliche Blütezeit hervorbrachte, die weltweit Beachtung gefunden haben. Zu dieser Blüte haben auch die Muslime beigetragen und ebenso wie andere Minoritäten davon profitiert.
Die Werte des Abendlandes sind Mitmenschlichkeit und Solidarität. Sie sind sowohl im Christentum als auch im Islam beheimatet und stellen die geistige Grundlage dieser Europäischen Union. Wer sich zu diesen Grundsätzen bekennt, kann auch die Bürger Europas – Muslime ebenso wie Juden und Christen – für die Europäische Integration begeistern. Die Tatsache, dass in Deutschland die Beteiligung an der Europawahl 2014 gegenüber 2009 gestiegen ist und der unbestreitbare Erfolg der rechtspopulistischen AFD dieser nicht die von einigen vorausgesagte Stellung als neue Volkspartei eingebracht hat, demonstriert, dass die Repräsentanten der politischen Mitte mit ihrem Projekt der Europäischen Integration durchaus auf Resonanz treffen können. Bezeichnenderweise hat mit der CSU gerade jene Volkspartei überdurchschnittlich verloren, die sich zuletzt nicht mit aktivem Einsatz für das friedliche Miteinander der verschiedenen Kulturen und Religionen in Europa hervorgetan, sondern mit einer künstlich erzeugten Hysterie vor sogenannter „Armutswanderung“ in die deutsche und europäische Gesellschaft hinein in der Öffentlichkeit gezeigt hat.
Gerade das deutsche Ergebnis ist in diesem Sinne als Botschaft an die restliche Union zu werten, Europa bleibt ein Kontinent der Vielfalt, zu der auch der Islam als elementarer Teil hinzugehört. Die europäischen Muslime gestalten mit an der Zukunft eines Europas, in dem nicht nur das Mehrheitsprinzip zum Markenzeichen gehört, sondern in dem auch die Minoritäten mit ihren Wertschätzungen geachtet sind und ihre Ideen und Gesellschaftsmodelle ungehindert entfalten können.

Mohammed Khallouk

Der Artikel wurde zuerst am 26.05.2014 unter http://www.div-rm.de/die-europaeische-integration-basiert-auch-nach-der-wahl-2014-auf-solidaritaet-und-mitmenschlichkeit/ veröffentlicht.

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Über mohammedkhallouk

Herzlich Willkommen auf dem Blog von Mohammed Khallouk. Auf den folgenden Seiten erhalten Sie einen Überblick über meine publizistischen und akademischen Aktivitäten: Ich bin Politologe, Arabist und Islamwissenschaftler. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit dem Verhältnis von Religion und Politik sowie zwischen Westen und Islamischer Welt. Ich habilitiere über die jüdische Minderheit in Marokko an der Universität der Bundeswehr München. Außerdem bin ich Beauftragter für wissenschaftliche Expertise des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD). wissenschaftliches Profil: • 1993-1997 Studium der Arabistik und Islamwissenschaft an der Mohammed V. – Universität Rabat/Marokko • 1999-2003 Studium der Politikwissenschaft mit den Nebenfächern Französisch und Allgemeine Sprachwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg • 2004-2007 Promotion in Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg • Seit 2009 Habilitation im Bereich Internationale Beziehungen an der Universität der Bundeswehr München • 2008-2011 Lehrbeauftragter im Bereich Politische Theorien und Ideengeschichte an der Philipps-Universität Marburg • 2010-2011 Lehrbeauftragter im Bereich Staat, Religion und Geschichte an der Universität der Bundeswehr München Forschungsschwerpunkte: • Das Verhältnis von Islam und Moderne • Kulturdialog zwischen Westen und Islamischer Welt • Lösungsstrategien zu Konflikten der MENA-Region • Das arabische Judentum in Historie und Gegenwart • Integration der muslimischen Minorität in Deutschland • Der deutsche Mediendiskurs über Islam ausgewählte Beiträge und Publikationen: • Der Nahe Osten am Scheideweg – Haben Israelis und Palästinenser noch eine Chance zu friedlichem Zusammenleben; LIT-Verlag, Münster 2003 • Islamischer Fundamentalismus vor den Toren Europas – Marokko zwischen Rückfall ins Mittelalter und westlicher Modernität, VS Verlag, Wiesbaden 2008 • Die Orientierung am Wort Gottes als Fundament unendlicher menschlicher Kreativität, lamed, Zeitschrift Stiftung Zürcher Lehrhaus, 5 6, Februar 2010 • Franz Rosenzweigs jüdischer Existentialismus als Vorbild für den interreligiösen Dialog, Information Philosophie 2/2010, Mai 2010 • 1001 Fremder im Paradies, Mediterranes 2/2010 • Die deutsche Orientalistik der Gegenwart – Vermittler gesellschaftlicher Erkenntnis oder Instrument wissenschaftlicher Bestätigung islamfeindlicher Ressentiments? Ein Dialog mit Udo Steinbach, Aufklärung & Kritik, Heft 39, Juli 2011 Informationen über meine Lehrveranstaltungen finden Sie auf der Website der Philipps-Universität Marburg http://www.uni-marburg.de/studium und auf der Website der Universität der Bundeswehr München http://www.unibw.de/startseite/ Kontakt: mohammed.khallouk@yahoo.de Die Links in diesem Blog geben nicht die Meinung des Betreibers wieder. Sie werden zu wissenschaftlichen und Informationszwecken publiziert.
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