Projekt gegen Salafismus: Deutsch-Islamischer Verband will Präventionsprojekt weiterführen

Der Verband sucht nach Möglichkeiten, sein Projekt gegen die Radikalisierung Jugendlicher weiterzuführen. Die Finanzierung war vom Bundesfamilienministerium eingestellt worden.

Wie mühsam es ist, der Radikalisierung muslimischer Jugendlicher vorzubeugen, zeigt sich derzeit in Frankfurt. Zwei der drei vom Bundesfamilienministerium finanzierten Projekte müssen neu aufgestellt werden. Zunächst war das vom Verein Kultur und Bildung getragene Vorhaben von einem internen Streit geprägt. Nun hat das Ministerium, wie berichtet, die Förderung eines ähnlichen Programms des Deutsch-Islamischen Vereinsverbands Rhein-Main (DIV) gestoppt. Nur das bei der Goethe-Universität angesiedelte Projekt ist frei von solchen Querelen.

Grund dafür, den DIV vorerst nicht zu fördern, sind Zweifel an der politischen Unbedenklichkeit von drei der fünf beteiligten Moscheegemeinden. Insgesamt gehören dem Verband 47 Gemeinden an, die nun alle noch einmal vom Bundesinnenministerium überprüft werden. Der Verband selbst gilt dem Ministerium als unbedenklich.

Die Prüfverfahren sollen verbessert werden

Darauf verweist auch Mohammed Khallouk, der Sprecher und stellvertretende Vorsitzende des DIV. Er geht davon aus, dass das Projekt nach Gesprächen mit dem Ministerium fortgeführt wird: „Vielleicht mit neuen Konditionen.“ Welche könnten das sein? Eine wäre für Khallouk, dass der Verband dem Ministerium schriftlich versichert, dass das Fördergeld nicht an die Mitgliedsgemeinden geht. Das Geld werde ausschließlich für das beim Verband angesiedelte Projekt ausgegeben, vor allem für Personalkosten.

Eine Kondition könnte aber auch sein, die drei in der Kritik stehenden Moscheegemeinden durch andere aus dem Verband zu ersetzen. Darüber hinaus sollen die Prüfverfahren vor der Vergabe von Fördermitteln verbessert werden. Das Familienministerium hatte vor der Vergabe der Förderung an den DIV mehrere Stellungnahmen eingeholt, unter anderem vom Hessischen Informations- und Kompetenzzentrum gegen Extremismus, das dem Innenministerium zugeordnet ist.

Kaderschmiede für Muslimbrüder?

Präventionsprogramme wie dieses sind eine Gratwanderung. Sollte man nicht auch Moscheegemeinden einbinden, die in der Kritik stehen, gerade weil man so an gefährdete Jugendliche herankommt und Einfluss auf solche Moscheen nehmen kann? Joachim Valentin, Islambeauftragter des Bistums Limburg und Mitglied im Beirat des DIV-Präventionsprojekts, rät dem Familienministerium, „die Spannung zwischen dringend benötigten Projekten wie diesem und kritischen Rückfragen“ an die beteiligten Partner auszuhalten.

In die öffentliche Diskussion sind im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zwei Frankfurter DIV-Organisationen geraten, die mit dem Präventionsprojekt direkt nichts zu tun haben: das Europäische Institut für Humanwissenschaften, ein Lehrbetrieb, und die Moscheegemeinde Islamische Informations- und Serviceleistungen. Ihnen wird eine Nähe zur Muslimbruderschaft nachgesagt. Dem hessischen Verfassungsschutz gilt das Institut gar als „Kaderschmiede“ für Funktionäre der Bruderschaft. Khallouk sagt, von staatlicher Seite lägen bisher keine konkreten Anhaltspunkte für einen Ausschluss dieser beiden Mitglieder vor. Valentin sieht beim Europäischen Institut für Humanwissenschaften allerdings eine Grenze erreicht. Er will dem DIV empfehlen, sich von ihm zu trennen.

Stefan Töpfer

Der Artikel ist zuerst am 15.07.2016 unter

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/der-div-will-sein-praeventionsprojekt-fortsetzen-14341218.html

erschienen.

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Über mohammedkhallouk

Herzlich Willkommen auf dem Blog von Mohammed Khallouk. Auf den folgenden Seiten erhalten Sie einen Überblick über meine publizistischen und akademischen Aktivitäten: Ich bin Politologe, Arabist und Islamwissenschaftler. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit dem Verhältnis von Religion und Politik sowie zwischen Westen und Islamischer Welt. Ich habilitiere über die jüdische Minderheit in Marokko an der Universität der Bundeswehr München. Außerdem bin ich Beauftragter für wissenschaftliche Expertise des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD). wissenschaftliches Profil: • 1993-1997 Studium der Arabistik und Islamwissenschaft an der Mohammed V. – Universität Rabat/Marokko • 1999-2003 Studium der Politikwissenschaft mit den Nebenfächern Französisch und Allgemeine Sprachwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg • 2004-2007 Promotion in Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg • Seit 2009 Habilitation im Bereich Internationale Beziehungen an der Universität der Bundeswehr München • 2008-2011 Lehrbeauftragter im Bereich Politische Theorien und Ideengeschichte an der Philipps-Universität Marburg • 2010-2011 Lehrbeauftragter im Bereich Staat, Religion und Geschichte an der Universität der Bundeswehr München Forschungsschwerpunkte: • Das Verhältnis von Islam und Moderne • Kulturdialog zwischen Westen und Islamischer Welt • Lösungsstrategien zu Konflikten der MENA-Region • Das arabische Judentum in Historie und Gegenwart • Integration der muslimischen Minorität in Deutschland • Der deutsche Mediendiskurs über Islam ausgewählte Beiträge und Publikationen: • Der Nahe Osten am Scheideweg – Haben Israelis und Palästinenser noch eine Chance zu friedlichem Zusammenleben; LIT-Verlag, Münster 2003 • Islamischer Fundamentalismus vor den Toren Europas – Marokko zwischen Rückfall ins Mittelalter und westlicher Modernität, VS Verlag, Wiesbaden 2008 • Die Orientierung am Wort Gottes als Fundament unendlicher menschlicher Kreativität, lamed, Zeitschrift Stiftung Zürcher Lehrhaus, 5 6, Februar 2010 • Franz Rosenzweigs jüdischer Existentialismus als Vorbild für den interreligiösen Dialog, Information Philosophie 2/2010, Mai 2010 • 1001 Fremder im Paradies, Mediterranes 2/2010 • Die deutsche Orientalistik der Gegenwart – Vermittler gesellschaftlicher Erkenntnis oder Instrument wissenschaftlicher Bestätigung islamfeindlicher Ressentiments? Ein Dialog mit Udo Steinbach, Aufklärung & Kritik, Heft 39, Juli 2011 Informationen über meine Lehrveranstaltungen finden Sie auf der Website der Philipps-Universität Marburg http://www.uni-marburg.de/studium und auf der Website der Universität der Bundeswehr München http://www.unibw.de/startseite/ Kontakt: mohammed.khallouk@yahoo.de Die Links in diesem Blog geben nicht die Meinung des Betreibers wieder. Sie werden zu wissenschaftlichen und Informationszwecken publiziert.
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