Im Auftrag des Bösen: Wie ein islamfeindliches Untergrundnetzwerk in Hessen den sozialen Frieden bedroht

Adorno bekannte einst, er fürchte sich nicht „vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten“. Auch heutzutage werden demokratische Institutionen und Grundsätze in Deutschland nicht nur zur Aufrechterhaltung der demokratischen Werte und des Miteinanders in pluralistischer Gesellschaft eingesetzt. In Hessen sehen sich derzeit besonders die organisierten Muslime von Akteuren aus den verschiedensten Gesellschaftsbereichen stigmatisiert und unter Generalverdacht gestellt.

Die eigentlich als Kennzeichen deutscher Liberalität geltende Pressefreiheit dient einer Reihe von Journalisten regionaler und überregionaler Medien aus dem Frankfurter Raum derzeit in erster Linie dazu, muslimische Funktionäre mit Kolportage und Investigativjournalismus in der Öffentlichkeit als „Radikale“ oder „Demokratiefeinde“ erscheinen zu lassen. Mit Fragen im polizeilichen Verhörstil zielt man darauf ab, die Betreffenden zu Aussagen zu drängen, die sie selbst und darüber hinaus den Islam als „Bedrohung“ für die freiheitliche Gesellschaftsordnung „entlarven“. Dazu bedient man sich zweifelhafter, gewöhnlich verschleierter und in der Regel islamfeindlicher Quellen, um „Skandale“ über die muslimische Community an die Öffentlichkeit zu tragen. In Form einer Self Fulfilling Prophecy kann man auf diese Weise sich und seinen angestrebten Rezipientenkreis in deren Islamressentiments bestätigen.

Darüber hinaus wird die auf Islam und muslimische Gesellschaften spezialisierte Sozialwissenschaft von einigen Fachvertretern eingesetzt, um mit aus fremden Kontexten herausgerissenen sogenannten „Fakten“ ein bereits in bestimmten Kreisen verbreitetes Zerrbild von Muslimen wissenschaftlich zu belegen. Dieser aus der Kriminalistik in Soziologie und Islamwissenschaft hineingetragene investigative Untersuchungsstil mag dem Grundsatz rationaler Wissenschaft vom Buchstaben her entsprechen, dem Geist einer vorurteilsfreien Beschäftigung mit fremden Untersuchungsgegenständen und dem akademischen Dienst an einer dem humanen Miteinander verpflichteten Erkenntnissuche steht sie diametral entgegen.

Nicht zuletzt vermögen sich auch Teile der aktuellen politischen Elite Muslimen und ihren Ansprüchen gegenüber nicht mit dem gleichen Entgegenkommen zu präsentieren wie sie dies insbesondere Juden, aber auch anderen religiösen oder kulturellen Minoritäten gegenüber selbst für erforderlich erachten. Nicht nur sehen sich hiermit bekennende Islamfeinde in ihrer Legitimität bestätigt, auch der Einsatz von Funktionsträgern im Sinne des Miteinanders und des sozialen Friedens wird dadurch konterkariert.

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, bei jenen islamfeindlich agierenden Kreisen handelt es sich um ein Netzwerk, das sich bewusst in die verschiedenen einflussreichen Institutionen unserer Gesellschaften hineinbegibt, um mit augenscheinlich rechtsstaatlichen Mitteln „Terror“ gegen Muslime zu verüben. Vergleichbar dem NSU verfolgt man quasi aus dem „Untergrund“ heraus seine Agenda, jedoch mit Wissen und teilweise auch Billigung von Staat und Mehrheitsgesellschaft. Da man sich dabei gesetzestreu verhält und sich mit einem demokratischen Mantel umgibt, lassen sich die Ziele allerdings umso nachhaltiger erreichen und einen dabei sogar als „aufrechte Verteidiger“ der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung erscheinen.

Mohammed Khallouk
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Über mohammedkhallouk

Herzlich Willkommen auf dem Blog von Mohammed Khallouk. Auf den folgenden Seiten erhalten Sie einen Überblick über meine publizistischen und akademischen Aktivitäten: Ich bin Politologe, Arabist und Islamwissenschaftler. Schwerpunktmäßig beschäftige ich mich mit dem Verhältnis von Religion und Politik sowie zwischen Westen und Islamischer Welt. Ich habilitiere über die jüdische Minderheit in Marokko an der Universität der Bundeswehr München. Außerdem bin ich Beauftragter für wissenschaftliche Expertise des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD). wissenschaftliches Profil: • 1993-1997 Studium der Arabistik und Islamwissenschaft an der Mohammed V. – Universität Rabat/Marokko • 1999-2003 Studium der Politikwissenschaft mit den Nebenfächern Französisch und Allgemeine Sprachwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg • 2004-2007 Promotion in Politikwissenschaft an der Philipps-Universität Marburg • Seit 2009 Habilitation im Bereich Internationale Beziehungen an der Universität der Bundeswehr München • 2008-2011 Lehrbeauftragter im Bereich Politische Theorien und Ideengeschichte an der Philipps-Universität Marburg • 2010-2011 Lehrbeauftragter im Bereich Staat, Religion und Geschichte an der Universität der Bundeswehr München Forschungsschwerpunkte: • Das Verhältnis von Islam und Moderne • Kulturdialog zwischen Westen und Islamischer Welt • Lösungsstrategien zu Konflikten der MENA-Region • Das arabische Judentum in Historie und Gegenwart • Integration der muslimischen Minorität in Deutschland • Der deutsche Mediendiskurs über Islam ausgewählte Beiträge und Publikationen: • Der Nahe Osten am Scheideweg – Haben Israelis und Palästinenser noch eine Chance zu friedlichem Zusammenleben; LIT-Verlag, Münster 2003 • Islamischer Fundamentalismus vor den Toren Europas – Marokko zwischen Rückfall ins Mittelalter und westlicher Modernität, VS Verlag, Wiesbaden 2008 • Die Orientierung am Wort Gottes als Fundament unendlicher menschlicher Kreativität, lamed, Zeitschrift Stiftung Zürcher Lehrhaus, 5 6, Februar 2010 • Franz Rosenzweigs jüdischer Existentialismus als Vorbild für den interreligiösen Dialog, Information Philosophie 2/2010, Mai 2010 • 1001 Fremder im Paradies, Mediterranes 2/2010 • Die deutsche Orientalistik der Gegenwart – Vermittler gesellschaftlicher Erkenntnis oder Instrument wissenschaftlicher Bestätigung islamfeindlicher Ressentiments? Ein Dialog mit Udo Steinbach, Aufklärung & Kritik, Heft 39, Juli 2011 Informationen über meine Lehrveranstaltungen finden Sie auf der Website der Philipps-Universität Marburg http://www.uni-marburg.de/studium und auf der Website der Universität der Bundeswehr München http://www.unibw.de/startseite/ Kontakt: mohammed.khallouk@yahoo.de Die Links in diesem Blog geben nicht die Meinung des Betreibers wieder. Sie werden zu wissenschaftlichen und Informationszwecken publiziert.
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